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Den "Gottesstaat" weiterdenken
Fußnote und Fortsetzung zum Gottesstaat des Augustinus

Teil 4

... ist der akademische Teil, die eigentlich fachliche Passage innerhalb des Ganzen. Die Termini ´Katechumenentheologie` und ´Vizetheologie` bezeichnen Provisoriumszustände, Durchgangsphasen des gläubigen Denkens, Hilfsformen für den Gläubigen in seinem Reflektieren gegenüber der Welt mit ihren Ausläufern und Mündungen ins Böse und ihrer Adventlichkeit für die Neuschöpfung.
Vor dem Richterstuhl der in der westlichen Kirche entwickelten Gnadenlehre muß dieses Buch sein ´unzureichend` bekennen. Es ignoriert die im Römerbrief des Völkerapostels bereits entfaltete und in den späten Schriften des bedeutendsten und von Rom akzeptierten Kirchenlehrers systematisierte Doktrin. Angesichts des von Paulus und Augustinus (aus Leidenschaft für die Ausschließlichkeit der Größe Gottes) entworfenen Gottesbildes im Erlösungsgeschehen wird hier dem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden sein Recht gegeben und der Kotau verweigert. Ein Gott, der bei der Rechtfertigung dem Menschen keinen selbständigen Atemzug, nicht die geringste eigene, zum Heil wirksame Regung gestattet, beleidigt sein Bild in uns. In der Konfrontation mit den Verschärfungen und Verhärtungen, welche im Verlauf der Reformation die paulinisch-augustinischen Setzungen erfahren haben - da wurde alles wasserdicht gemacht und nichts mehr offen gelassen.
Tröstlich ist, daß den Evangelien diese lückenlose Panzerung Gottes, dieses Visier mit Sehschlitz fremd ist. Nichts kann den Gläubigen zwingen, die von Theologen durchgesetzten, erhabenen und extremen Zuspitzungen zum Maß der Evangelien zu machen. Dieser Gott ist weder der Gott Jesu, des Juden, des Menschen Jesus, noch der ´Gefährte` des Vaters in der Trinität, also der Logos, mit dem Jesus existentiell vereinigt ist. Es paßt hierzu, daß Jesus keineswegs - auch nicht als Auferstandener, auch nicht bei der Ankündigung des Heiligen Geistes - das Wort Gnade gebraucht hat. (Es sei erlaubt, hier ein Prinzip der ´Schule` zu verletzen, das es nämlich verbietet, eine Nicht-Aussage Jesu dazu zu verwenden, das eben Nicht-Ausgesagte als solches gelten zu lassen, also faktisch nicht ausgesagt sein zu lassen).
Es sollte zu denken geben, daß sich die Väter-Theologie der Ostkirchen wie auch die der später sich abzweigenden orthodoxen Nationalkirchen diesen westlichen und mitteleuropäischen Überlegungen verschlossen hat. Es sollte weiterhin zu denken geben, daß die Gottmenschlichkeit des Erlösungsgeschehens, von der Jesus von Nazareth gekennzeichnet und ausgezeichnet ist, gefährdet wird, wenn man dem menschlichen Handeln jegliche potentielle Heilsbedeutung gegenüber und vor Gott bestreitet. (Zuletzt verdient noch die Tatsache Erwähnung, daß man dem hier angesprochenen, ausgestalteten und perfektionierten System im Gottesstaat des Aurelius Augustinus nicht begegnet, auch in den Bekenntnissen kein Wort davon findet. Der Verfasser darf sich also, wie der Untertitel des Buches sagt, dem Gottesstaat und seinem geschätzten und geliebten Autor anschließen, ohne sich dabei einen illegitimen Unterschlupf zu verschaffen).

    
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